Ob legal oder illegal, Sportwetten boomen

Glücksspielstaatsvertrag auf dem Prüfstand

Bild: Legale, aber auch illegale Sportwetten sind auf dem Vormarsch. Bildquelle: Adam Vilimek 198746111 / Shutterstock.com

Das Freizeitvergnügen Wetten ist weiterhin ein umstrittenes Thema. Auf der ganzen Welt, aber auch in Deutschland finden sich illegale Wettangebote, die auch dem Innenministerium ein Dorn im Auge sind. Insbesondere der Glücksspielstaatsvertrag, aber auch die deutsche Gesetzgebung soll jetzt noch einmal genauer untersucht werden.

Innenminister Thomas Strobl glaubte zwar fest an den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der diesjährigen Europameisterschaft, darauf wetten wollte er jedoch nicht. Dafür hätte ihm das notwendige Fachwissen gefehlt. In diesem Fall hat er noch einmal Glück. Doch nicht jeder nimmt sich ein Beispiel an dem Politiker. Was wiederum vor allem in diesem Jahr gut für das Wettgeschäft war.

Gerade durch die EM hat in der Sportwetten-Industrie noch einmal zu großen finanziellen Erfolgen geführt. Die Gesamteinnahmen der Sportwettenanbieter werden auf 5,1 Milliarden Euro geschätzt. 2014 lag der Gesamtumsatz in diesem Wirtschaftszweig noch bei 4,8 Milliarden Euro. In den kommenden Jahren hofft und rechnet man sogar noch mit Steigerungen. Einen großen Anteil von diesen Erträgen hat die Wettindustrie den privaten Wettanbietern zu verdanken, welche wiederum auf dem sogenannten „grauen Markt“ ihren Geschäften nachgehen können. Auch wenn sie nicht notwendigerweise den deutschen Regulierungen und Gesetzen folgen müssen, dürfen sie, laut EU-Recht, weiter ihre Wettangebote an den Mann bringen, ohne juristische Folgen befürchten zu müssen. Für Freude und Zuschuss in die Staatskassen sorgen diese privaten Unternehmen dennoch, denn sie zahlen gesetzestreu ihre Steuern, so dass die deutschen Staatskassen ein zusätzliches Plus von etwa 250 Millionen Euro verbuchen konnten.

Einen seriösen Wettanbieter finden

Woran erkennt man allerdings auf diesem doch recht unübersichtlichen Markt die seriösen Wettanbieter? Ein Experte von www.sportwettenanbieter.info hat uns zu diesem Thema via Audio alle Fragen beantwortet. Eine Glücksspielkonzession ist durchaus schon einmal ein gutes Vertrauensmerkmal für den Wettspiel-Interessierten auf, der Suche nach einem soliden und seriösem Glücksspiel-Unternehmen ist. Auch wenn diese Glücksspielanbieter nicht notwendigerweise von deutschen Regulierungsbehörden beobachtet werden, ist jedoch eine staatliche Kontrollinstanz, die hinter dem betreffenden Unternehmen steht und für das Einhalten eines gewissen Regelwerkes sorgt, ein gutes Zeichen. Solche Autoritäten sind z.B. Lotteries and Gaming Authority in Malta, Gibraltar Gaming Commissioner, The United Kingdom Gamblin Commission oder eben in Deutschland das Innenministerium in Schleswig-Holstein.

Seriöse Sportwettenanbieter:

Wett-Unternehmen Angebote und Merkmale
bet365
  1. Kundensupport mit Rückrufservice
  2. seit 1974 als Buchmacher im Geschäft
  3. siebgrößtes britisches Privatunternehmen
  4. 40.000 Livestreams pro Jahr
interwetten
  1. seit 20 Jahren im Sportwettengeschäft
  2. Unterstützer von gemeinnützigen Zwecken
  3. Sponsor im Fußball, Motorsport und beim Handball
  4. sponsert unter anderem VFB Stuttgart, FC Sevilla und AC Florenz
  5. übersichtlich und intuitive Webseite
  6. Kundensupport, der oft mit Preisen ausgezeichnet wurde
sportingbet
  1. Kundenstamm von fünf Million Spielern
  2. in Malta lizensiert
  3. bietet auch als britisches Unternehmen seinen Kundensupport in deutscher Sprache an
  4. umfangreiche Streamingübertragungen
  5. qualitative App
  6. hohe Limits bei Einsätzen und Gewinnen
tipico
  1. ebenfalls in Malta lizensiert
  2. besitzt eine TÜV-Plakette für Datensicherheit
  3. tipico trägt die Steuerlast, so dass online steuerfrei gewettet werden kann
  4. Oliver Kahn ist Werbe- und Geschäftspartner
  5. sehr großes Angebot für Fußballwetten

EU-Recht kollidiert mit deutschem Recht

Wo genau liegt aber das momentane Problem mit den privaten Anbietern? Der 2012 zwischen allen 16 Bundesländern beschlossene Glücksspielstaatsvertrag sagt aus, dass alle Anbieter, die keine Konzession besitzen, in Deutschland eigentlich auch keine Glücksspiele und keine Sportwetten anbieten dürfen. Das Bundesland Schleswig-Holstein setzte sich jedoch gegen diese Rechtsprechung zur Wehr und konnte sich zumindest für eine kurze Zeit sogar dagegen behaupten. Das Bundesland konnte in der Zeit sogar 25 Konzessionen ausstellen, obwohl schon damals nur 20 Konzessionen legitim waren.

Lange konnte sich Schleswig-Holstein dem Glücksspielstaatsvertrag jedoch nicht entziehen und musste sich letztendlich der Rechtsprechung beugen. Allerdings sind die vom Bundesland vergebenen Lizenzen immer noch rechtsgültig. Außerdem gilt nach EU-Recht, dass die in jedem EU-Land vergebenen Lizenzen auch in jedem anderem EU-Land und damit auch Deutschland rechtskräftig sind. Das heißt, Unternehmen, die ihre Konzession z.B. in Großbritannien und in Malta bekommen haben, durften diese auch in Deutschland verwenden. Problematisch ist an dieser Ausgangssituation, dass EU-Recht mit dem deutschen Recht kollidiert. Und das scheint auch in der Politik zu ausgewachsenen Streitdiskussion zu führen.

Infografik: Einsätze und Umsätze der Sportwettenanbieter in Deutschland. Bildquelle: eigene Darstellung

Statistik über Wetteinsätze bei deutschen staatlichen und privaten Sportwetten-Unternehmen

Mangelnde Durchsetzung oder fehlgeschlagener Glücksspielvertrag?

Hessens-Innenminister Peter Beuth erklärte den Glücksspielstaatsvertrag für fehlgeschlagen. Nun wünscht er sich Reformen, die eine rigorosen Schritt für die Glücksspielindustrie bedeuten könnte. Unter anderem möchte er viele Einschränkungen aufheben und den Markt weiter für private Anbieter öffnen. Damit sollen noch mehr als die bisher etablierten 133 privaten Unternehmen in der deutschen Glücksspielindustrie eine Chance bekommen. Auch der Höchsteinsatz von 1000 Euro bei Online-Casinos solle laut Beuth aufgehoben werden. Bei diesen Reformvorschlägen erhielt er Unterstützung seitens der FDP und sogar von seinen Koalitionskollegen bei den Grünen. Damit scheint der eingangs erwähnte Thomas Strobl jedoch überhaupt nicht einverstanden zu sein. Insbesondere erkenne er keine überzeugenden Argumente, welche für die Aufhebung des Höchsteinsatzes sprechen würden.

Es mangelt also nicht an Kritik am vorgeschlagenen Radikalkurs. So glaubt auch der Grünen-Abgeordnete Josha Frey, dass Beuth vor allem von seinen eigenen technischen Fehlern bei der Vergabe von Glücksspielkonzessionen ablenken wolle. Auch Geschäftsführerin von Lotto-Baden-Württemberg wehrt sich gegen Beuths Aussagen. Sie sehe kein Problem im Glücksspielvertrag selbst, sondern vielmehr in dessen Durchsetzung. Weder habe sie bisher eine Sportwettlizenz erhalten noch gehe man hart und flächendeckend genug gegen illegale Anbieter vor.

Der Spieler muss geschützt werden

Ein großer Problempunkt ist immer noch der Spielerschutz, wenn es allgemein um Glücksspiel und spezifisch um private Anbieter geht. Es gestaltet sich schwer, junge oder süchtige Spieler zu schützen, wenn sich keine oder kaum Regulierungen auf dem Glücksspielmarke durchsetzen lassen. Solche Regelungen können, wenn überhaupt, die Unternehmen nur selbst umsetzen.

Spielschutzbeauftragte und die Europäische Union hoffen und bestehen unter anderem auf folgende Maßnahmen:

• eine zuverlässige Altersidentifizierung
• eigenständiges Vorgehen gegen Wettbetrug und Geldwäsche
• Spieler dazu ermutigen, nicht mit mehr als mit einem gewissen Einsatz zu spielen
• Ausschluss von Minderjährigen
• Schutz der Spieler vor Betrug

Jagd auf das illegale Wettvergnügen

Zumindest außerhalb der digitalen Welt versuchen Städte und Gemeinden dem illegalen Wettvergnügen beizukommen. So versucht die Stadt Augsburg, bestätigt durch den Bayrischen Verwaltungsgerichtshof, die Ausbreitung von illegalen Sportwett-Terminals und Sportwettbüros einzudämmen. Dabei handelt es sich um Wettbüros, die ohne Legitimität z.B. während Fußballspielen Livewetten auf das erste und nächste Tor, auf die ersten 10 Spielminuten, auf Halbzeitergebnisse und zusätzlich Livehandicapwetten anbieten.

Die Stadt möchte noch intensiver Spielsuchtprävention betreiben und natürlich auch Suchtbehandlungsmöglichkeiten anbieten. Auch das Eindämmen der Ausbreitung von Sportwetten-Terminals in Kneipen und Gaststätten steht auf dem Programm. Ob man damit dieser Problematik Herr wird, muss sich noch zeigen, es steht jedenfalls ein schwerer Kampf bevor. Das weiß auch Ordnungs- und Sportreferent Dirk Wurm, der das Vorgehen gegen illegale Wettangebote oftmals als „Kampf gegen Windmühlen“ beschreibt und besonders erfreut ist, dass sich der Bayrische Verwaltungsgerichtshof hinter diese Aufgabe stellt.

Internationaler Kampf gegen illegale Netzwerke

Sogar Interpol ging mittlerweile gegen illegale Sportwetten vor. Die entsprechenden Operationen und Razzien konzentrierten sich auf Singapur, China, Malaysia und Vietnam. Auch in Frankreich, Griechenland und Italien ging die Internationale Polizeiorganisation gegen illegale Wettanbieter vor. Insgesamt seien 649 Millionen US-Dollar beschlagnahmt worden. Gerade in China sei das Geschäft mit den illegalen Wetten auf ein Rekordniveau angestiegen und wurde durch die Fußball-EM noch befeuert. Die Interpol-Aktionen ernteten jedoch nicht nur Lob, sondern auch Kritik: Der ehemalige Polizist und jetzige Experte für Betrug und Sportwetten Chris Eaton bemängelte, dass bei solchen Aktionen nur kleine, illegale Netzwerke zerschlagen würden und große kriminelle Organisationen, aufgrund der nun mangelnden Konkurrenz, verstärkt aus dem Prozess hervorgehen.

Grafiken:

Legale, aber auch illegale Sportwetten sind auf dem Vormarsch. Bildquelle: Adam Vilimek 198746111 / Shutterstock.com

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.